Hitchhiking Lifestyle

Australien ist ein unglaublich riesiges und weitläufiges Land, mit den verschiedensten Sehenswürdigkeiten an den entlegensten Orten. Wenn man jetzt, wie ich, als Backpacker möglichst viele Spots sehen möchte, muss man sich überlegen wie man am besten reisen kann. 
Zunächst gibt es da die wahrscheinlich komfortabelste Variante, ein Mietwagen. Ein Mietwagen hat den Vorteil, dass man quasi immer und überall hinkommt ohne sich an einen Fahrplan halten und sich mit anderen Reisenden herumschlagen zu müssen. Zusätzlich hat man eine Art privaten Raum in dem Gepäck und Wertsachen verstaut werden können. Der einzige Nachteil ist, für Backpacker besonders schwerwiegend, der Preis. Mit einem eigenen Auto zu reisen ist extrem kostspielig. Nicht nur das Mieten an sich, auch Benzin und mögliche Parkplätze sind zu bezahlen. Für junge Reisende scheidet die Option Auto aber schon wegen einer ganz anderen Hürde grundlegend aus. Die meisten Autoverleiher vermieten Autos erst an Personen ab 21 Jahren. 
Die zweite Möglichkeit zu reisen, ist Bus und Bahn zu nutzen. Die Nachteile der öffentlichen Verkehrsmittel sind schnell zusammengefasst; Man ist relativ unflexibel, und es ist relativ unkomfortabel. Für größere Strecken, die gut im Schienennetz angebunden sind, ist Zugfahren aber wahrscheinlich die beste Option. 

Die coolste Art zu reisen ist meiner Meinung nach aber ganz klar Hitchhiking (Trampen, per Anhalter fahren). Die Vorteile: Man spart sich Geld von dem man sonst Bus, Bahn, einen Uber oder ein Taxi bezahlt hätte, man lernt neue Leute kennen, die sich in der Region immer besser auskennen als man selbst und man hat, fast schon garantiert, eine gute Konversation, da Fahrer die Reisende mitnehmen normalerweise unfassbar freundliche Leute sind. Man lernt als Reisender Insider Reiseziele von den Locals kennen, versteht wie die Leute ticken, es macht deutlich mehr Spaß als Bus zu fahren und es ist viel schneller.

Voraussetzungen für erfolgreiches Hitchhiking

  1. Eine Straße, die nicht allzu stark befahren ist
    • An stark befahrenen Straßen gehen Autofahrer davon aus, der Fahrer kann ja auch jemanden mitnehmen und fahren einfach vorbei
    • An stark befahrenen Straßen sehen Autofahrer den Backpacker erst relativ spät und haben nicht genug Zeit zu überlegen ob sie ihm mitnehmen wollen
  2. Mindestens einen großen Rucksack
    • Schleppt man mindestens einen großen Rucksack mit sich herum, erkennen Autofahrer, dass man Backpacker ist und mitgenommen werden will
  3. Blickkontakt halten
    • Damit Autofahrer wissen, dass man "hilfsbedürftig" ist, ist es sinnvoll deutlich zu signalisieren, dass man mitgenommen werden will. Dazu streckt man den Daumen raus und schaut durch die Windschutzscheibe.
  4. Wissen wo man hin will
    • Am allerbesten ist es natürlich wenn man ein Pappschild hat, auf dem der Zielort steht. So wissen Autofahrer genau wo man hin muss und sie nehmen Backpacker eher mit.
    • Hat man kein Pappschild zur Hand, sollte man zumindest wissen, wo man hin will und was dort in der Nähe ist. Autofahrer haben natürlich nicht immer das gleiche Ziel wie Backpacker, möglicher Weise aber eins in der Nähe. 

Mit diesen Voraussetzungen sollte es leicht fallen per Anhalter sein Ziel zu erreichen.


In meinem Fall versuchte ich mein Glück zum ersten Mal auf der Strecke zwischen Coolangatta und Pimpama, von meinem ersten Hostel zum Pier der Fähre zur South Stradbroke Island, der Insel auf der ich für etwas mehr als einen Monat gearbeitet habe. Eine Strecke von 60km, zu Fuß etwa 12 Stunden. Mein erster Versuch zu Trampen dauerte etwa 2 Stunden. So lange dauerte es bis ich die richtigen Bedingungen gefunden habe, dass mich ein netter Italiener mitnahm. Erfolgreich 12 Stunden Fußweg / 2 Stunden Bus / 30 bis 100 AUD gespart. Die etwa 50 minütige Autofahrt verbrachten wir hauptsächlich damit über Australier zu lästern, von gutem Essen zu schwärmen und uns über Urlaubsziele auszutauschen. Francesco, so hieß der Autofahrer, setzte mich ungefähr 10 Minuten Fußweg von der Anlegestelle der Fähre ab. Alleine auf dieser Fahrt hatte ich schon mehr Erfahrungen und neue Reiseziele gesammelt, als ich mir für die ersten Monate in Australien erträumt hätte. 
Barney
Etwa zwei Wochen später war es dann erneut soweit. Ich musste zum etwa 12 km entfernten Bahnhof. Ein älterer Australier, sein Name war Ray, erbarmte sich mich in seinem unfassbar riesigen Auto mitzunehmen. Scheint so ein Ding von Aussies zu sein, immer möglichst große Autos zu fahren. Von ihm erfuhr ich, dass Impfungen ja grundsätzlich nicht funktionieren. Naja, es gibt eben auch Menschen die sehr verloren sind, aber trotzdem unfassbar nett. Abgesehen von dem kurzen Abschweifen in sein "medizinisches Fachwissen" hatten wir aber eine gute Unterhaltung, die hauptsächlich von Sport geprägt wurde. 
Weitere nette Autofahrer, die mir bisher einiges erspart haben waren Barney, Mike, Susanne, Jerry und Tyler. Auch wenn manche Australier wirklich einen Schaden haben, hoffe ich, dass noch viele von ihnen mir meine Reise erleichtern werden und mir ihre wilden Lebensgeschichten erzählen werden.



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