44h Anreise - Teil 01

25.09.2022, 15:00 Uhr - Deutschland
25.09.2022, 11pm - Australia


Hinter mir schließt sich die Tür des Hauses, in dem ich, abgesehen von ein paar Wochen Urlaub im Jahr, die ersten 18 Jahre meines Lebens verbracht habe. Ich bin der letzte der das Haus verlässt, da ich, Überraschung, bis zum Schluss noch Kleinigkeiten umpacken, festzurren oder einwickeln muss. Meine Familie begleitet mich zum Flughafen Frankfurt wo sich unsere Wege zum ersten Mal für längere Zeit trennen sollen. Auf der Fahrt werde ich regelmäßig gefragt, ob ich denn auch alles dabei hätte, was ich größtenteils einfach abnicke, da ich mit meinen Gedanken schon ganz woanders bin. Ich werde für einen noch nicht feststehenden Zeitraum am anderen Ende der Welt sein, da kann ich jetzt nicht darüber nachdenken, ob ich 3 oder 4 Flaschen Autan eingesteckt habe. Im Kopf gehe ich bestimmt hundertfach den Ablauf der bevorstehenden Anreise durch. 
Der Plan ist:

    Frankfurt → Bangkok (ca. 11h)

    Aufenthalt in Bangkok (ca. 3h)

    Bangkok → Singapur (ca. 2h)

    Aufenthalt in Singapur (ca. 7h)

    Singapur → Sydney (ca. 8h)

    Aufenthalt in Sydney (ca. 3,5h)

    Sydney → Gold Coast (ca. 1,5h)

    Zu Fuß zum gebuchten Hostel für die ersten drei Nächte.


Nach der 2-stündigen Fahrt zum Flughafen ist es dann soweit. Der exakt 19,8kg schwere (Gewichtslimit für den Flug sind 20kg, ich hätte also doch noch Platz für 200g Kuchen vom Vortag gehabt, mist), gut verschnürte Rucksack wird sofort eingecheckt und ich bekomme den Boardingpass ausgehändigt. Bis auf die Sicherheitskontrolle sind damit alle standartmäßigen Punkte eines Flughafenaufenthalts abgearbeitet. An diesem Tag fehlt allerdings noch eine Sache, die bisher nie notwendig gewesen war. Ich hatte mir vorher schon überlegt, wie ich den Abschied am besten gestalten könnte, um es so einfach wie möglich zu machen. Spontan werfe ich dann aber alle Pläne gedanklich über Board und versuche es so schnell wie möglich hinter mich zu bekommen. Auch wenn ich es mir vielleicht nicht direkt ansehen lasse und etwas genervt rüberkomme, fällt mir der Abschied von meiner Familie nicht leicht, was mir in der Warteschlange der Sicherheitskontrolle erst richtig bewusst wird. Hätte ich die Verabschiedung doch anders machen sollen? Jetzt ist es jedenfalls zu spät und ich beginne nachdenklich meinen Laptop aus meinem Rucksack zu räumen und die letzten Schlucke Wasser zu trinken. Beim passieren des Metalldetektors beginnt alles um mich herum zu piepen und blinken, was zwar nervig ist, allerdings nicht weiter schlimm. Meine Uhr. Ich hatte sie nicht ausgezogen, was zu Folge hat, dass der Mann von der Sicherheitskontrolle mich jetzt mit einem genervten Blick angrummelt und irgendwas nuschelt was sich für mich nach einem "Ey alter, die Uhr is auch aus Metall, klar?" anhört. Ich ziehe die Uhr also aus und werde erneut durch den Metalldetektor geschickt. Mit grünem Licht und ohne weiteres Piepen nehme ich meinen Rucksack vom Band und packe Laptop und Powerbank wieder ein. 5 Minuten später habe ich dann auch mein Gate gefunden und ich setzte mich als einer der ersten hin und warte.



25.09.2022, 20:40 Uhr - Deutschland 
26.09.2022, 4:40 am - Australia

Mein Flug geht pünktlich. Ich hatte eigentlich den ersten Flug als Möglichkeit gesehen dem bevorstehenden Jetlag entgegenzuwirken, was durch tatsächlich beängstigende Turbulenzen schlicht nicht vorstellbar ist. Nach vier Stunden ununterbrochenem Ruckelns und angeschalteten Anschnallzeichen fragt mich meine Sitznachbarin, eine 23-jährige, etwa 1,50m große Thailänderin für die die Economy Class Sitze die Ausmaße eines bequemen Sessels haben müsse, ob sie sich meine Kotztüte leihen könnte. Großherzig wie ich bin, schenke ich sie ihr, was ich auch geschätzte 17 Sekunden später nicht bereue, als die Tüte bereits bis zum Rand gefüllt ist. Sie ist nicht die einzige die sich ihr Frühstück nochmal durch den Kopf gehen lässt, wobei ich glücklicherweise davon verschont bleibe. Schlafen kann ich trotzdem nicht, was daran liegt, dass die Turbulenzen bis zur Landung in Bangkok kein Ende nehmen.

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